II - Kapitel 2
21.Apr.21 .. 01:43 Uhr
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Teil II
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Kapitel: III/1 - III/2

Orte, Personen

Hilfe, Technik

Platzhalter

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Inverness war sicherlich keine besonders spektakuläre Stadt, eher klein, freundlich und geruhsam. Dafür gab es dort aber seit einigen Jahren ein Institut für Radioastronomie, das etwas außerhalb der Stadt lag.

Die Wahl war vor allem deshalb auf Inverness gefallen, weil Ian McNabb, der das anfliegende Raumschiff als erster geortet hatte, eine Zeitlang an diesem Institut gewesen war und eine Reihe seiner ehemaligen Kollegen schon sehr früh über seine Beobachtungen informiert hatte. Von den rund vierzig Leuten auf Erden, die über die Ereignisse informiert waren, waren allein zwölf aus diesem Institut.

Die Kontaktgruppe war als Wartungsteam getarnt, das die technischen Geräte auf den neuesten Stand der Technik bringen sollte. Nun, in der Tat wollte man einige zusätzliche Geräte einbauen, aber vor allem hatte man so eine gute Ausrede, einen großen Teil der Angestellten für eine gewisse Zeit in Urlaub zu schicken.

Sie verließen die Stadt Richtung Westen und fuhren am linken Ufer des River Ness entlang. Es herrschte das typische schottische Wetter. Gerade hatte es aufgehört zu regnen, jetzt lag das weite Tal im Sonnenlicht. Das Institut mit seiner großen beweglichen Antenne von nahezu 50 Metern Durchmesser leuchtete wie frisch gewaschen in der klaren Luft des Great Glen.

Am Eingang wurden sie bereits von Ian McNabb empfangen.

“Ich hoffe, sie sind nicht böse wegen dieses Versehens. Schließlich hat es dazu geführt, dass Sie jetzt hier mitarbeiten müssen.”

William grinste und zuckte mit den Schultern.

“Immerhin ist es auch so eine Art Ehre.”

Paul war neugierig. “Wie sieht es denn aus mit neuen Erkenntnissen? Hat sich in der Zwischenzeit etwas Wichtiges ergeben?”
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“Eigentlich nichts besonderes. Einer von den Kollegen hat allerdings die Vermutung, dass sich die Leute mit uns treffen wollen, aber man weiß nichts genaues. Unser Linguist versucht intensiv, eine Kommunikationsbasis auf der Grundlage von Sprache zu finden, aber das ist schwierig. Von den Männern im Mond kommt bisher auch nur ein Bild nach dem anderen, aber nicht viel, was wir für einen Sprachkontakt nutzen können. Aber kommt mit, ein paar Bilder sind schon interessant.”

Kado ließ sie allein, er wollte sich um die Unterbringung der beiden kümmern.

Sie gingen in einen mit Computern vollgestopften Raum, in dem ein paar Leute emsig herumwuselten. Ian führte sie zu einem der Geräte und ließ einige der Bilder auf dem Schirm erscheinen, die von den Besuchern übermittelt worden waren. Auf einem sahen sie eine Reihe von etwa zwanzig Symbolen. William zählte nach.

“Eine Schrift mit neunzehn Buchstaben. Die haben möglicherweise ein ähnlich weites Lautrepertoire wie wir. Hat man da schon was rausgefunden?”

“Wir haben sogar schon Sprachproben! Achtung.”

Aus dem Lautsprecher kamen einige Geräusche. William hörte aufmerksam zu und ließ es sich mehrmals vorspielen.

“Das war deren Alphabet. Das hört sich so an, als seien am Anfang die Vokale, vier glaube ich, und dann die Konsonanten, die restlichen fünfzehn. Oder habt ihr eine andere Erklärung?”

Ian schüttelte den Kopf.

“Sieht man davon ab, dass wir etwas länger für diese Deutung gebraucht haben, sind unsere Leute hier derselben Meinung. Wir haben allerdings nur einen Linguisten hier, so dass die Sache etwas langsam vorankommt.”

William guckte kritisch. Er ließ sich die Sprachproben noch einmal vorspielen, dann ein weiteres mal.

“Das ist aber alles unserer Sprache so ähnlich, dass ich wieder misstrauisch werde. Da ist doch was faul, wenn die aus den Tiefen des Alls kommen und dann ein Sprachrepertoire haben wie wir. Nimm die Vokale! Ein “a”, etwas zwischen “e” und “i”, dann so eine Art dunkles “ä” und ein “o”. Toll, nur das “u” fehlt! Vielleicht kriegen die den Mund nicht genug gespitzt. Das gibt’s doch nicht.”

Ian hob hilflos die Hände. Paul grinste.

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“Warte nur, in ein paar Wochen stellt sich raus, dass alles nur ein Täuschungs­manöver mit irgendwelchen neuen technischen Tricks war, um uns an der Nase herumzuführen. Erinnert ihr euch an die Berichte aus den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als ein paar begabte Witzbolde Kreise in Kornfelder gemacht haben und die ganze Welt in heller Aufregung war? Da waren’s angeblich auch die Außerirdischen und die Fraktion der Ufologen bekam großen Auftrieb. Sowas ist das jetzt auch, wartets nur ab!”

“Bei einem Täuschungsmanöver hätte man sich mehr Mühe gegeben, alles etwas fremdartiger aussehen zu lassen”, wandte Ian ein.

Paul und William fanden das plausibel. Dann stellte Ian ein paar frische Bilder vor.

“Hier ist was eigenartiges, das bekommen wir seit gestern. Zuerst kommt ein normales Bild im üblichen Format 809 mal 1009. Dann kommt eine Folge von sechzehn neuen Zeichen und schließlich ein Bild oder weiß der Geier was, aber mit jeweils der vierfachen Länge und Breite. Wenn wir aber versuchen, ein Bild daraus zu machen, bekommen wir nur Datenmüll. Wir arbeiten dran.”

Jetzt wurde Paul aufmerksam.

“Sechzehn Zeichen kommen immer dazwischen, sagst du? Kommen die immer in der gleichen Reihenfolge?”

Ian nickte.

“Vielleicht wollen die einfach nur Bilder mit einer besseren Qualität ver­schicken. Habt ihr das schon mal in Graustufen umgewandelt? Das gabs mal in der grauen Computervorzeit. Vielleicht kommen die Dinger jetzt nicht mehr in reinem Schwarzweiß!”

McNabb runzelte die Stirn, schlug sich vor den Kopf und warf dann einem der an den Computern arbeitenden Leute ein paar Worte zu. Danach begaben sie sich zu einem Begrüßungstee in die kleine Kantine des Instituts.

“Wir müssen auf jeden Fall ein paar Experten für Sprachen herschaffen, einen Informationstheoretiker mit praktischen Erfahrungen und vielleicht noch einen Völkerkundler oder Kulturhistoriker, um die Sprache zu entschlüsseln. Ein Mann, oder mit mir eineinhalb, das ist zu wenig. Und wenn sich das Ganze nicht wirklich noch als dummer Scherz herausstellt, ist die Sache hier von einer historischen Bedeutung wie kaum ein anderes Ereignis bisher, und da muss man auch mal ein wenig Aufwand betreiben.”

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Die beiden anderen stimmten William zu. Während sie ihren Tee schlürften und sich beim Blick aus den großen Glasfenstern am Wetter und der Gegend erfreuten, besprachen sie noch einige organisatorische Fragen. Ihre gemütliche Unterhaltung wurde unterbrochen, als einer der Leute, die eben an den Computern gearbeitet hatten, aufgeregt hereingelaufen kam und ihnen den Ausdruck eines der Bilder vom Mond mitbrachte.

Der Vorschlag, es mit Graustufen bei der Entschlüsselung der Zeichenfolgen zu versuchen, war ein Treffer gewesen. Das Bild zeigte eine Landschaft mit sanft geschwungenen Hügeln und einer spärlichen Vegetation, so wie im zentralasiatischen Hochland oder in der südamerikanischen Pampa. Am rechten Bildrand war in einiger Entfernung eine Stadt zu erkennen. Sie mochte so groß sein wie Inverness, also etwa 50.000 Einwohner nach menschlichen Maßstäben. Verglichen mit der ursprünglichen Version war dieses Bild zwar nicht wesentlich detaillierter, aber es ähnelte doch schon mehr einem Schwarzweißphoto als einer billigen Computergrafik.

“Die wohnen da in der Wüste”, meinte McNabb kopfschüttelnd. “Ich frage mich, wovon die leben.”

Kado kam wieder zu ihnen. Er hatte ihnen in der Nähe des Stadtzentrums auf dem anderen Ufer des River Ness in einem Hotel im englischen Landhausstil eine Unterkunft besorgt.

“Sehr schön, sage ich euch. Es ist nicht weit bis ins pulsierende Zentrum und ein paar hundert Meter flußaufwärts sind ein paar Inseln im Fluß, das ist wie ein richtiger kleiner Park, gut geeignet, um zu entspannen und nachzudenken.”

Bis zum Abend musste noch geklärt werden, wie groß das Team werden sollte und welche Leute noch gebraucht würden, dann begaben sie sich ins Hotel.

Nach dem Abendessen mit obligatorischem Whisky als Nachtisch wanderten Paul und William noch ein wenig am Fluß entlang. Am gegenüberliegenden Ufer stand neben der großen Kathedrale ein Veranstaltungszentrum. Zum Stadtzentrum hin stand auf dem Hügel an historischer Stelle eine Burg im Zuckerbäckerstil aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und erinnerte an die wechselvolle Geschichte der Stadt.

Sie wandten sich flußaufwärts. Nachdem Sie eine kleine Brücke überquert hatten, befanden sie sich auf den kleinen bewaldeten Inseln im River Ness. Nach kurzer Zeit kamen sie an einen Spielplatz, um den ein paar Bänke standen. Auf einer etwas abseits stehenden saß ein junges Pärchen und verbiss sich ineinander, es war Frühling.

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In angemessener Entfernung setzten sie sich und redeten weiter über ihren ersten Tag in der neuen Umgebung.

“Richtig nett ist es hier, von der Atmosphäre unter den Leuten ähnlich wie zu Hause,” meinte Paul zufrieden.

William sah ihn von der Seite an.

“Wohl wahr, aber ich frage mich trotzdem, wie lange das dauern und wie das enden soll. Man kann doch den Rest der Menschheit nicht monatelang blöde lassen. Und es sieht nicht so aus, als ob sich irgend etwas bewegen würde bezüglich der Mondmenschen. Da herrscht doch die reine Öde und Langeweile in den Beziehungen.”

Links erschien ein weiters Pärchen auf dem Platz. Der Mann winkte zu ihnen herüber, es war Kado.

“William, Paul. Ich dachte mir doch fast, dass ich euch hier finden würde.”

Paul musterte unauffällig die Frau neben Kado. Sie war etwa 1,70 groß, hatte etwas rötliche Haare und Sommersprossen, soweit er das in der hereinbrechenden Dämmerung erkennen konnte. Schon auf der kurzen Strecke, die er sie beim Gehen beobachtete, fiel ihm auf, dass ihr Beruf nicht Millionärsgattin war. Sie wirkte nicht nur äußerlich ungemein kraftvoll, ruhig, entspannt. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass man sich auf diese Frau in jeder Beziehung verlassen könnte.

“Dies ist Andra Brönsted,” stellte Kado sie vor. “Sie ist Spezialistin für Logistik.”

William sah sie etwas erstaunt an.

“Leiten Sie ein Flugunternehmen oder fahren Sie Lastwagen?”

Die Frau lächelte knapp.

“Es dreht sich mehr um die Organisation von solchen Transporten bei meiner Arbeit, nicht um die reine Durchführung. Fliegen und Lastwagen fahren kann ich aber natürlich auch.”

‘Süßer dänischer Akzent’, dachte Paul.

Kado blickte etwas tadelnd zu Will herüber.

“Keine schwachen Witzchen, bitte. Die Frau hat schon mehrere Expeditionen vorbereitet und begleitet, vor allem solche in die Hochebenen von Zentralasien. Ihr hättet übrigens ruhig eure Portablen mitnehmen können, wir haben euch nämlich gesucht. Glücklicherweise hat euch jemand vom Hotel in diese Richtung gehen sehen.”

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Paul warf sich in die Brust.

“Ich wußte, dass ohne uns der ganze Laden zusammenbricht. Wir sind nun mal die Größten, Besten und Schönsten. Und natürlich die Intelligentesten.”

“Und zu allem Überfluß auch noch die Bescheidensten,” fügte William hinzu. “Mal im Ernst, Kado, gibt’s was Wichtiges oder hast du nur Sehnsucht nach uns?”

“Es scheint sich was zu tun bei unseren Gästen auf dem Mond. Wir haben eine Weltkarte von den Desis bekommen, und dann drei Karten von bestimmten Teilen der Erde: Island, Zentralasien und Australien. Auf allen drei Karten waren bestimmte Stellen angekreuzt und wir vermuten, dass sie sich dort mit uns treffen wollen.”

“Und da hast du direkt die Expeditionsleiterin bestellt.”

“Nein,” antwortete Kado. “Reiner Zufall. Sie war sowieso schon da, weil sie wie ich bei der US Army beschäftigt ist und über das Ganze seit einigen Wochen auch Bescheid weiß.”

Sie plauderten noch eine Weile fröhlich über die Zukunfts­aussichten der Erde im Rahmen der heraufziehenden Ereignisse.

Eine Laterne war angegangen und erleuchtete den Weg mehr schlecht als recht mit einem schwachgrünen Licht, um das bereits die ersten Nachtfalter flatterten. Das Paar, das eben noch eng umschlungen auf der Bank gesessen hatte, war gegangen und die vier nahmen sich vor, in einem Pub noch eines der landestypischen Destillationserzeugnisse zu sich zu nehmen. Auf der Brücke über den Fluß kam ihnen ein kleiner, gedrungen wirkender Mann entgegen und fragte sie in einem seltsam klingenden Akzent, ob er hier über den Fluß an das andere Ufer gelangen könne. Sie verneinten und wiesen ihn auf die etwas flußabwärts liegende Brücke hin, aber er ging trotzdem auf die Insel.

“Der schwimmt rüber,” grinste Kado.

“Ein Froschgesicht hatte er ja schon fast.” Will runzelte plötzlich die Stirn. “Ich frage mich, aus welcher Gegend jemand kommen muss, um mit einem solch eigenartigen Akzent zu sprechen. Fast wie eine Computerübersetzung ...”

Andra blieb stehen, drehte sich blitzschnell um, stieß noch: “Kommt mit!” hervor und rannte dann wieder auf die Inseln im Fluß zu.

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Kado begriff als erster und sprintete hinterher, der Versuch, Andra einzuholen war allerdings kaum von Erfolg gekrönt. Paul und William joggten weniger engagiert hinterher. Sie begriffen zwar nichts, wollten die anderen aber nicht allein lassen bei ihrem gefährlichen Abenteuer ‘Die Eroberung der Schatzinsel’.

Doch plötzlich verstand auch Paul.

“Mann, Willy, einer von denen!? Komm, wir besetzen die Brücke weiter oben.”

Keuchend kamen sie bei der zweiten Brücke an, über die man auf die Inseln gelangen konnte. Sie schauten zur anderen Brücke, es war aber nichts besonderes zu sehen. Auf der Insel waren vereinzelte Rufe von Andra und Kado zu hören. Auch Will und Paul liefen jetzt auf die Insel und sahen sich um, ob sie den Fremden entdecken könnte. Falls dieser sich wirklich vor ihnen verbergen wollte, kam ihm natürlich entgegen, dass es nun schon dunkel war; nur hin und wieder spendete eine Laterne etwas Licht. Außer Atem trafen sie sich schließlich an der Brücke, welche die beiden großen Inseln verband.

“Zwecklos,” meinte Kado.

Auch Andra zuckte mit den Schultern.

“Sollten wir unsere Leute alarmieren?” schlug William vor. “Zwei Mann besetzen die Brücken, zwei passen auf der Flußseite auf und dann leuchten wir die Insel mal richtig aus.”

Andra widersprach.

“Das Aufsehen können wir uns nicht leisten. Sollen wir erzählen, dass wir unsere Schwiegermutter suchen oder den Lieblingshund? Außerdem: es könnte natürlich sein, dass das wirklich einer von den Fremden war. Aber was ist, wenn wir daneben liegen und in irgendeinem Gebüsch einen Penner finden? Wir werden zum Gespött der Highlands! Und noch was: Weiter oben gibt es auch eine Brücke zur anderen Seite des Ness.”

Als sie wieder zu Luft gekommen waren, bewegten sie sich wieder auf die brodelnde City der Stadt zu. Paul drehte sich noch einmal kurz um.

“Hat da nicht gerade jemand gelacht?”

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Sie lauschten, aber vergebens.

Auf dem Weg erörterten sie die Möglichkeit, dass es sich wirklich um einen der Fremden gehandelt haben könnte. Mißtrauisch musterten sie jeden, der ihnen begegnete oder vor ihnen herging. Der kleine gedrungen wirkende Mann lief ihnen aber nicht noch einmal über den Weg.

Das “Bonnie Prince Charlie” war ein gemütliches, dunkles Pub, das sie vor die Qual der Wahl zwischen ungefähr 30 Whiskysorten stellte. Sie setzten sich an einen der schweren Holztische in einer Ecke und William gab ihnen die Empfehlung, es mit einem 'Laphroig' oder einem 'Edradour' zu versuchen.

“Ich frage mich, wo der Kerl geblieben sein könnte. Wie vom Erdboden verschluckt,” grummelte Andra.

“Die Frage ist, kann es überhaupt ein von denen gewesen sein? Wie soll er hierhergekommen sein, ohne dass ihn irgendein Radar erfaßt hat? Was will er hier? Genauer gesagt: Was? Und wieso ausgerechnet hier?”

“Das ‘Hier’ kann man erklären, Kado,” meinte Paul. “Die wissen doch, dass wir hier unsere Kommunikationsbasis haben. Also, wenn sie sich schon die Mühe machen, jemanden hier auf die Erde zu schmuggeln, dann hierhin. Die Frage ist eher, wo wohnt er - oder sie? Der ist doch wohl kaum ins erste Hotel am Platz marschiert und hat ein Einzelzimmer genommen!”

Andra grinste.

“Ne, ne, Bed and Breakfast. Die Leute müssen sparen, die Reise hierher war teuer genug.”

William hatte eine ganze Zeit am Tisch gesessen, das Glas mit dem dunklen, intensiv riechenden Whisky langsam unter der Nase hin und her bewegend. Er schien ihre Gespräche nicht zu verfolgen, sondern in den Genuß des dunklen, torfigen Aromas des Getränks versunken. Dann mischte er sich plötzlich doch in das Gespräch ein.

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“Das ist wirklich ein Problem: wo bleiben die? Es ist doch mysteriös, dass dieser Typ einfach verschwunden ist. Wir sind doch kaum eine Minute nach ihm auf die Insel und haben ihn nicht mehr gefunden. Selbst wenn er die Brücke zur anderen seite gefunden hat: wir hätten ihn hören müssen, das dröhnt ziemlich. Wer immer er ist, wo ist er? Weiter: Wenn unsere Mondmenschen wirklich mal auf die Erde wollen, dann sicher deshalb, weil sie wissen wollen, was hier für ein Völkchen wohnt: ein friedliches oder ein agressives, ein umgängliches oder verschlossenes. Die wollen sicher das Risiko einer Kontaktaufnahme auch etwas kalkulieren. Wenn sie aber runterkommen, dann müssen sie unsere Sprache zumindest ansatzweise verstehen und sprechen. Nun, sie beherrschen interstellare Raumfahrt, also werden sie mit einer fortgeschrittenen Technologie arbeiten. Ich frage mich aber, ob sie so Feinheiten wie das Fälschen von Creditcards beherrschen; das fällt ja hier unseren organisierten Kriminellen schon schwer, die aber das Zahlungsprinzip mit elektronischer Grundlage wenigstens kennen. Das mit einem Einchecken in einem Hotel oder sowas, das kann man vergessen, schon deshalb, weil sie nicht zahlen können.”

William verstummte wieder, um an seinem Getränk zu nippen. Die anderen diskutierten seinen Einwurf und erfreuten sich zwischendurch ebenfalls an ihrem Getränk.

Nach einer Weile meldete sich William wieder zu Wort.

“Die müssen sich in Bezug auf die örtlichen Gegebenheiten aber recht genau informiert haben. Wenn das wirklich einer von denen war - und das seltsame Verschwinden läßt mich irgendwie daran glauben - dann muss er uns ja beobachtet haben. Das kann doch dann kein Zufall sein, dass er ausgerechnet uns anspricht, und ausgerechnet zu dieser Tageszeit, wo er besser verschwinden kann, wenn wir Verdacht schöpfen. Mir ist noch was in den Sinn gekommen. Der Typ wirkte irgendwie geschminkt, die Gesichtshaut sah jedenfalls eigenartig aus.”

Wieder verstummte er und widmete sich dem Islay-Whisky. Die anderen plauderten, aber ihnen wurde unbehaglicher, je deutlicher sie sich der Möglichkeit bewußt wurden, dass sie wirklich gerade einem Außerirdischen begegnet waren.

Irgendwann tauchte William zum dritten mal aus seiner ‘Meditation über Malz und Gerste’ auf.

“Ich versuche mir gerade zu überlegen, wo die nun bleiben, über Nacht, meine ich. Technisch ist das sicher kein großes Problem, irgendein kleines Zelt oder sowas, aber wo steht das? Stellen wir uns mal vor, dass die wirklich gut über die Gegend Bescheid wissen. Der Standort muss ruhig sein, sie müssen einen Überblick über die Gegend haben. Und - ich versuche mich einfach mal in einen der Fremden zu versetzen ohne ihn zu kennen - ich würde einen Ort suchen, der die Möglichkeit gibt, sich umgekehrt in uns hineinzuversetzen. Irgendein geschichtsträchtiger Ort vielleicht.”

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Andra sah ihn an.

“Ich kenne dich ja noch nicht gut, aber ich habe das Gefühl, du hast schon eine Idee. Du kennst dich doch hier ein wenig aus. Woran denkst du?”

“Mir fallen zwei Orte ein, die ziemlich nah am Zentrum der Stadt liegen. Der erste ist der Craig Phadraig. Das ist eine alte Piktenfestung aus dem sechsten oder siebten Jahrhundert, groß wie ein bis zwei Fußballfelder und von Wald umgeben. Es ist eigentlich ein Ort touristischen Interesses, aber die meisten Touristen, die hierher kommen, nehmen Inverness ohnehin nur als Ausgangspunkt für Touren durchs Hochland - leider. Craig Phadraig ist also ziemlich ruhig. Der zweite Ort ist Tomnahurich, das ist der Hügel, der in Richtung Nordwest unvermittelt in der Ebene liegt, es ist seit über dreihundert Jahren ein Friedhof, wunderschön übrigens, ich war schon mal dort. Wenn ihr nichts dagegenhabt, sehe ich mich morgen früh an den beiden Orten mal um.”

Kado grinste.

“Aber nicht allein, wir wollen an dem Ruhm, die Wilden zu fangen, ein wenig teilhaben.”

Am nächsten Morgen trafen sie sich alle im Hotel. Kado berichtete von Vorbereitungen, die er am Abend noch getroffen hatte.

“Ich habe überlegt, ob ich im Pentagon noch ein paar Pferde scheu machen sollte, habe mich aber dann anders entschieden; die Sache ist einfach zu vage. Ich habe ein paar genaue Karten besorgt und einen Funkscanner, um eventuellen Funkverkehr zwischen ‘Besuchern’ und Mond zu entdecken. Irgendwie müssen die ja Kontakt halten. Außerdem zwei kleine Kameras, die wir an einer unauffälligen Stelle deponieren könnten. Bis auf Ian habe ich aber keinem gesagt, was wir machen; ich will uns schließlich nicht zum Gespött des Instituts machen, wenn sich das Ganze als dumme Idee herausstellt.”

“Was ist mit einer dezenten Bewaffnung,” fragte William.

“Wir haben vor allem Andra und ein wenig auch mich,” meinte Kado leichthin.

Paul betrachtete Andra noch einmal. Sie wirkte sehr jungenhaft, war Anfang oder Mitte dreißig, also etwa zehn Jahre jünger als er. Sie gefiel ihm sehr, obwohl sie dem gängigen Schönheitsideal nicht unbedingt entsprach, dazu wirkte sie einfach zu kräftig und durchtrainiert. Aber ihre rötlichen Haare und die Sommersprossen, zusammen mit dem etwas ernsten, aber freundlichen und offenen Gesicht - in seiner Teenagerzeit wäre sie vielleicht nicht sein Typ gewesen, jetzt aber wurde er fast nervös.

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“Du treibst wohl viel Sport, was?”

Sie zuckte mit den Schultern.

“Man muss ja irgendwie in Form bleiben.”

“Mit Kampfsport, oder? Es ist sicher nicht ungefährlich, dich zu beleidigen.”

“Gütiger Herr! Leute, die meinen, ihre Ehre mit der Faust verteidigen zu müssen, sind doch einfältige Spinner,” antwortete sie fast ein wenig ungehalten. “Dieser chauvinistische Männlich­keits­wahn und Ehrbegriff hat mich immer schon ange­widert. Ich könnte zwar im Notfall jemanden mit Erfolg angreifen, aber das habe ich bisher noch nie ernsthaft machen müssen. Es ist nur unangenehm, mich anzu­greifen.”

“Ist das schonmal passiert?”

“Ja.”

Kado mischte sich grinsend ein.

“Irgendein Trottel hatte sie als eine unbesiegbare Kämpferin bezeichnet und ein noch größerer Trottel hatte versucht, diese These zu falsifizieren und sie ernsthaft angegriffen. Ein Zweizentner-Karate-Schwarzgurt zahlte diesen Versuch mit einem übel zugerichteten rechten Handgelenk.”

“Er ist unglücklich gefallen,” wiegelte Andra ab.

Kado runzelte tadelnd die Stirn.

“Und du hast nicht geholfen, wie?”

Andra lächelte leicht und wiegte den Kopf hin und her.

“Kein Grund, sowas rumzuposaunen.”

Paul beschloss, die Frau nicht nur für anziehend, sondern auch für beeindruckend zu halten.

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Der Weg zum Craig Phadraig stieg leicht an, sie mussten aber kaum 2 Kilometer vom Stadzentrum aus laufen. Es ging nach rechts in den Wald, nach kurzer Zeit ging es steil bergan zwischen urzeitlich wirkenden rotbraunen Gesteinsformationen hindurch.

“Die Pikten haben wohl Steine aufgeschichtet, massenhaft Holz drumrumgelegt und angezündet. Dadurch sind die Steine zusammengebacken; zumindest ist das die These, die ich in irgendeinen Reiseführer im Netz gelesen habe.”

“Das müsste sich doch klären lassen, Will,” meinte Kado.

“Hat man bestimmt schon, aber ich weiß nicht, wo etwas darüber steht. Ist aber wohl die immer noch gängige Theorie.”

Zumindest hatte die Anlage ihren Zweck als Verteidigungsanlage wohl erfüllen können. Wer sich durch den engen Weg nach oben vorgearbeitet hatte, hatte sich gegen die Bemühungen der Verteidiger kaum effektiv durchsetzen können. Oben standen sie auf einer Art großen, von Gebüsch überwuchertem Fußballplatz, der von den Resten eines Walls umgeben war.

“Wer weiß, was hier für wilde Gesellen gehaust haben.”

“Vielleicht waren sie ja friedlich und wollten nur in Ruhe ihr Land bestellen und ihr Vieh hüten.”

Sie verteilten sich, William ging - zu Pauls leichtem Ärger - mit Andra auf die Suche und Paul mit Kado.

Zwar war das Geläde unübersichtlich, aber irgendwie hatten alle nach ziemlich kurzer Zeit das Gefühl, dass sie hier nichts finden würden. Die Stätte war Respekt einflößend, es fehlte jedoch der Überblick nach allen Seiten. Ein weiteres Problem für einen potentiellen Besucher war, dass er nur auf einem Weg in die Stadt gelangen konnte und das könnte auffallen, da außer ein paar Touristen kaum jemand die Straße benutzte. Wenn dann ständig kleine gedrungene Männer aus dem Wald in die Stadt kämen, würden die Nachbarn misstrauisch.

Sie bewegten sich also wieder Richtung Stadt und wandten sich dann dem Tomnahurich zu. Es war ein bewaldeter Hügel, der wie ein Laib Brot in der Ebene lag. Der untere, neue Teil des Friedhofs lag im flachen Gebiet um die Anhöhe. Über schmale Wege ging es dann durch dichten Wald steil nach oben. Auf dem langgezogenen ebenen Gipfel lagen die Gräber entlang eines breiten Weges, die ältesten Gräber waren aus dem 17. Jahrhundert. Es war eine friedliche und weihevolle Atmosphäre. Die schönen alten Gräber lagen zwischen Hainbuchen, Eichen und einigen der für Friedhöfe wohl unvermeidlichen Koniferen in der Sonne.

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Sie begaben sich zum einen Ende des zentralen Weges, setzten sich auf eine Bank und hatten einen prächtigen Blick auf ihr Institut.

Paul sah Kado an.

“Mit ein paar vernünftigen optischen Geräten und etwas Elektronik läßt sich unser Institut gar prächtig betrachten. Auf der anderen Seite siehst du höchstens den Beauly Firth und die Nessmündung; das scheint weniger spannend zu sein.”

“Kein schlechter Platz, stimmt. Meine beiden kleinen Videokameras fehlen mir auch schon.”

Er zog seinen Portablen aus der Tasche, klappte den Bildschirm auf und tippte ein paar Befehle ein. Langsam erschien eine Ansicht des Weges hinter ihnen, sie konnten sich auch auf der Bank sitzen sehen. William hob den Arm und winkte, sein elektronisches Abbild tat es ihm gleich.

“Hallo, ich bin im Fernsehen.”

Kado lächelte etwas gequält.

“Das Kind im Kinde kommt durch. Na ja. Andra, geh du mal auf Kamera zwei.”

Sie hatte ihren Portablen schon in der Hand.

“Ok, läuft. Nichts außergewöhnliches zu sehen.”

Abwechselnd genossen sie eine Zeitlang den Ausblick, die singenden Vögel, die brummenden Bienen und die milde Frühlingsluft. Einige Blumen verbreiteten einem leichten Duft, der schon den Sommer ahnen ließ. Hoch über den blauen Himmel jagten zerfetzt wirkende Wolken und ließen auf heftige Bewegung in der oberen Atmosphäre schließen. Schließlich standen sie auf und streiften noch ein wenig durch den Gipfelbereich des Friedhofs. Nach einer Weile trafen sie sich wieder.

“Vielleicht versuchen wir es morgen noch mal, vielleicht geht uns ja auch jemand über Nacht in die Videofalle,” sagte Kado hoffnungsvoll.

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Sie wandten sich wieder dem Weg zu, der bergabwärts führte. Etwas entäuscht über ihren Mißerfolg planten sie ihr weiteres Vorgehen. Paul hörte nicht recht zu. Er genoss die kleine Wanderung, nachdem die leichte Spannung von ihnen abgefallen war und ein Treffen mit den Fremden nicht stattgefunden hatte. Versonnen streifte er den kleinen Stoffetzen von dem Feuerdorn, an dem er gerade vorbeikam. Er grinste etwas schadenfroh, irgendjemand hatte sich da seine Garderobe verdorben. Spielerisch bewegte er den Stoff zwischen den Fingern, dann betrachtete er ihn aufmerksamer. Der Stoff hatte eine diffuse braungraugelbe Farbe und wirkte irgendwie beschichtet, so wie ein alter Regenmantel aus Kunststoff.

Plötzlich blieb er wie erstarrt stehen, dann sah er sich unsicher um. Da war es wieder, dieses Gefühl der Anspannung, diesmal war es aber nicht die unbestimmte Erwartung, vielleicht einen der Besucher zu treffen, vielleicht ... !

Jetzt fuhr ihm ein regelrechter Schrecken in die Glieder. Noch einmal schaute er auf die zwei Buchstaben, die er auf der Rückseite des Stoffstücks entdeckt hatte, aber es gab keinen Zweifel.

“Jungs und Mädels,” rief er schüchtern den anderen hinterher, die sein Zurückbleiben nicht bemerkt hatten.

“Na komm, schwing die Hufe,” rief Kado ihm zu. “Dir fehlt die Kondition.”

Paul lachte nicht, er winkte ihnen nur, herzukommen. Ihm fiel ein, dass er vielleicht etwas unauffälliger hätte agieren sollen für den Fall, dass sie beobachtet würden, aber das war jetzt ohnehin egal.

“Für was haltet ihr das?” fragte er die anderen, als sie bei ihm angelangt waren.

Kado legte die Stirn in Falten und dachte angestrengt nach, dann rang er sich, sichtlich um Fassung ringend, zu einer Antwort durch.

“Das ist ... ein Stück Stoff, denke ich.” Er grinste.

“Aber deshalb hast du doch nicht den Schweiß auf der Stirn, oder?”

Paul hätte für die mimische Meisterleistung Kados sonst sicher applaudiert, aber er blieb ernst.

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“Die Rückseite, mein Lieber, die Rückseite!”

Kado drehte den Stoff um.

“Made in Taiwan, na und?”

Er sah genauer hin.

“Scheint eher aus Indien zu sein oder was meinst du?”

Dann schlug er sich vor die Stirn und reicht den Stoffetzen an die beiden anderen weiter.

William begriff sofort, da er sich die Buchstaben wohl am genauesten eingeprägt hatte.

“Volltreffer, sie sind hiergewesen oder noch hier.”

Andra befand sich wieder auf dem Weg nach oben, aber Kado hielt sie zurück.

“Warte einen Moment, ich versuche mal, auf elektronische Aktivitäten zu überprüfen.”

Er holte den Portablen aus der Tasche und ließ ihn das Frequenzband absuchen. Eine hochfrequente Funkquelle ließ ihn aufmerksam werden, da sie sich in der Nähe befinden musste und in keinem der üblichen zur Benutzung freigegebenen Frequenzbänder lag. Er liess ein Muster, eine Regelmässigkeit suchen, bekam aber keine sinnvollen Ergebnisse, nur ein Rauschen erschien auf dem Bildschirm. Er schaltete auf Aufzeichnung, dann wandte er sich an die anderen.

“Das könnte riskant werden, wenn wir da jetzt wieder hochgehen. Offen­sichtlich sind die da!”

“Ich weiß auch, wo ungefähr,” sagte Andra. “Kommt mit. Wenn die uns hätten erledigen wollen, wären wir längst hin. Das ganze Unternehmen heute morgen war vielleicht etwas leichtsinnig und blauäugig. Jetzt läuft die Sache sowieso, also, was soll´s?”

Sie liefen wieder bergauf. Oben angelangt, blieb Andra vor einem Grab stehen und betrachtete die Stellen rechts und links der kleinen steinernen Umgrenzung.

“Seht euch das an,” sagte sie und wies auf das Moos links und rechts des Grabes. “Ich habe das eben irgendwie auch schon bemerkt, im Unterbewußtsein oder so, der Sache aber keine Beachtung geschenkt. Was fällt Euch auf?”

“Moos, Frau Lehrerin.”

Kado wollte seinen Humor einfach nicht verlieren.

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“Witzbold. Links ist es zertrampelt, rechts nicht. An dem Grab selbst ist nichts gemacht, das ist seit längerer Zeit nicht angerührt.”

Paul ging an den Grabstein vorbei und betrachtete die Vegetation hinter dem großen Grabstein. Eine Tanne oder Fichte, Rhododendren, die hier wie Unkraut wucherten, es schien kaum ein Durchkommen zu sein. Auf dem Boden sah man deutlich einige Fußspuren, die noch recht frisch waren. Andra betrachtete sie genauer, dann stand sie auf und ging auf einen etwa drei Meter hohen Rhododendron zu. Sie bog die Zweige auseinander.

Geschützt unter dem dichten Blätterwerk des Buschs stand ein kleines Zelt in Tarnfarben. Einige Zeichen auf dessen Außenseite klärten die Herkunft.

“Ausgeflogen, die Vögel, wie ich mir dachte.”

Paul war ihr gefolgt.

“Wieso warst du dir sicher?”

“Es gingen zwei Spuren nach draußen und ich hatte auch nur zwei Spuren zählen können, die von gestern abend gewesen sein müssen und in die Büsche führten. Also: zwei minus zwei gibt null.”

“Das hätte aber auch schiefgehen können.”

Andra nickte und zuckte mit den Schultern.

“Aber große Ereignisse fordern große Taten, da muss man auch schon mal in die Büsche. Nein, im Ernst. Ich denke, die hätten uns wirklich längst erledigen können, aber dafür treibt man nicht so einen Aufwand. Die wollen Kontakt mit uns und riskieren schließlich auch einiges. Die kommen hier zwei Mann hoch runter, das erfordert Mut, zumindest nach unseren Maßstäben.”

Kado hatte nur kurz hingesehen, dann hatte er sich hingehockt, nahm ein Blatt Papier aus seiner Tasche und zeichnete etwas. Dann kam er wieder zu ihnen und zeigte ihnen schmunzelnd das Ergebnis seiner Bemühungen. Das erste Bild zeigte einen Mann, der beide Hände offen dem Betrachter des Bildes zeigte. Im zweiten Bild gab er einem anderen Wesen die Hand und sprach mit ihm. Eine Sprechblase zeigte einige Buchstaben, die andere einige Zeichen aus dem fremden Alphabet.

“Ich hoffe mal, dass sie das begreifen. Wir lassen die Finger besser von den Sachen, vielleicht haben sie ja ein paar Überraschungen für die Vorwitzigen unter den Erden­menschen eingebaut. Aber hier das legen wir ihnen so hin, dass sie es nicht übersehen können. Und morgen kommen wir wieder hierher und treffen uns mit ihnen. Hoffentlich.”

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Des abends saß man wieder im “Bonnie Prince Charlie” in der entferntesten und dunkelsten Ecke, um nicht belauscht zu werden. Diesmal musste die Flasche mit der Aufschrift ‘Old Pulteney ’ etwas Flüssigkeit gegen Luft tauschen, um die Gedanken der vier zu beflügeln - nun, auch nach diesem Abend würden weitere 28 Sorten Whisky zur Auswahl stehen. Sie überlegten lange, ob sie Sicherheitsvor­kehrungen treffen sollten, ob sie übergeordnete Stellen benachrichtigen sollten, ob sie die Institutsangehörigen informieren sollten. Kado entschied dann mit Einwilligung der anderen als “Chef de Mission”, dass sie außer Ian McNabb und Jonas Zwoell, dem militärischen Sicher­heits­experten, niemandem etwas sagen wollte.

Am nächsten Morgen waren Paul und William die ersten der Gruppe, die im Institut erschienen. Ian lief ihnen in der Eingangshalle über den Weg.

“Kommt mal, zwischen den Bildern vom Mond sind ein paar ganz eigenartige Exemplare.”

Sie sahen sich die Bilder auf einem Monitor an. Kaum erschien das erste Bild, musste Paul grinsen.

“Die haben Humor.”

Ian schaute verständnislos.

“So witzig finde ich die Zeichnung nicht.”

Die Zeichnung zeigte einen Mann, der dem Betrachter die offenen Hände entgegenstreckte und im zweiten Teil des Bildes sprachen zwei Männer miteinander.

“Sie haben Kados Zeichnung gefunden, wie man sieht. Das ist wohl so eine Art Einverständniserklärung, denke ich,” meinte Paul.

Dann erzählten sie Ian die Ereignisse des letzten Tages.

Inzwischen kamen Andra und Kado - gemeinsam und bester Laune, wie Paul neidisch bemerkte - und sahen sich nach kurzer Begrüßung die anderen Bilder durch.

“Mensch, wart ihr so begeistert von meinem Bildchen, dass ihr euch die anderen Bilder gar nicht mehr angesehen habt?” fragte Kado nach kurzer Zeit mit leicht gekräuselter Stirn.

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Er hing lässig in einem Sessel und starrte zusammen mit Andra auf einen Bild­schirm. Die anderen kamen hinzu und schauten ihnen über die Schultern. Nach kurzer Zeit war ihnen klar, warum Kado etwas verärgert war. Das erste Bild zeigte eine Gruppe von vier Leuten an einem Grabstein, das zweite eine Gruppe von vier Leuten, die auf einer Bank saßen und in ein weites Tal hinaussahen, indem man deutlich eine große Antenne erkennen konnte.

“Das sind wir!” meinte William. “Das ist die Stelle, wo ich winke; du weißt, das Kind im Kinde.” Er brach verblüfft ab. “Die haben unsere Kameras zu Überwachungszwecken angezapft!” Dann sah er aus, als ob er intensiv überlegte. “Das zweite Bild ist aber nicht von unseren Geräten.”

Andra verzog leicht das Gesicht.

“Wir waren wohl nicht die ersten mit dieser Idee.”

Das dritte Bild zeigte zwei gedrungene, relativ kleine Männer, die mit den Armen über den Schultern nebeneinander vor einem Grab standen und dem Betrachter ins Gesicht sahen. Es handelte sich um dieselbe Stelle auf dem Tomnahurich, an der auch die Aufnahmen von ihnen selbst gemacht worden waren. Die Gesichter der Männer waren etwas weniger profiliert als bei Menschen, die Nase war flacher, Stirn und Kinn waren fliehender. Beide trugen die breitkrempigen Hüte mit flachen Stulpen, die im Moment in Mode waren, aber es schien, dass sie nur spärlich behaart waren.

Kado überprüfte inzwischen an einem anderen Gerät die Aufzeichnungen, die er gestern abend noch von seinem Kommunikator auf den Rechner des Instituts überspielt hatte.

“Ich habs mir fast gedacht! Seht mal!”

Man sah das Grab, das langsam zum Hauptdarsteller avancierte. Zunächst sah es aus, als ob sich nichts an der Szene änderte, nach einiger Zeit kam aber Leben in die Sache. Von links tauchte eine Person auf, nach kurzer Zeit von drei anderen Personen begleitet wurde. Ihre Rückkehr auf den Gipfel des Tomnahurich gestern war also gefilmt worden.

“Die Übertragungsgeschwindigkeit ist eher mäßig; alle halbe Sekunde ein Bild, das können wir schneller. Aber immerhin, wirksam war es.”

Kado erhob sich, dann fuhr er fort: “Wir gehen hoch. Wenn der Kontakt aufgenommen wird, benachrichtigen wir auch ein paar offizielle Stellen. Ich denke, dass ich mir dann einiges anhören kann, aber das riskiere ich mal. Wenn ich jetzt was sage, dann werden wir erstens zurückgepfiffen, zweitens werden wir eine Begleitdelegation bekommen, weil jeder gern dabeisein möchte und drittens wird der Himmel dunkel sein wegen der Wolken von Presse- und Militärhubschraubern und - flugzeugen. Nein, danke, lieber eine Kopfwäsche und Ruhe.”

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Ian und Jonas Zwoell, der auch dazugekommen war, warnten und rieten, erst einmal abzuwarten und Rücksprache mit Washington zu halten, aber Kado winkte ab. Er sah in die Runde.

“Seid ihr dabei?”

Die drei anderen nickten und sie machten sich auf den Weg.

Beim Hinausgehen sah Paul Kado nachdenklich an.

“Zuerst habe ich dich ja für einen Komisskopf gehalten, schon wegen deines kernigen Aussehens. Langsam bekomme ich aber Respekt, mein Freund, du zeigst wirklich Zivilcourage. Aber meinst du nicht, dass die anderen Stellen, die auch die Bilder empfangen, sich einen Reim drauf machen können?”

“Glaube ich nicht”, widersprach Andra. “Zunächst sind die Szenen unverfänglich. Bis die dahinterkommen, haben wir das längst abgewickelt.”

Wenige Minuten später waren sie, diesmal mit den Dienstfahrädern des Instituts, am Fuß des Tomnahurich angelangt.

“Wollen wir mit den Rädern hoch? Es gibt eine schlecht geteerte Straße bis auf den Gipfel!”, schlug William vor.

Paul schaute gequält.

“Soll ich da etwa meine 100 Kilo hochfahren? Guck doch mal, wie steil das ist. Und außerdem, wir wollen doch die Außerirdischen nicht mit dieser fortschrittlichen Technik einschüchtern, oder?”

Kado schüttelte den Kopf.

“Du bist ein fauler Sack! Ein bisschen Training täte dir ganz gut. Aber wir wollen unsere Freunde nicht mißtrauisch machen, die denken vielleicht wirklich, das sei was ganz Tolles.”

Scherzend gingen sie denselben Weg zum Gipfel wie am Tag zuvor. Es konnte niemandem entgehen, dass die fröhliche Fassade die Nervosität nur mühsam übertünchte, und je näher die vier dem Gipfel kamen, desto ruhiger wurden sie.

Schließlich saßen sie wieder auf der Bank mit dem Blick auf das Institut und harrten der Dinge, die da kommen sollten.

Kado stand nervös auf und ging ein wenig nach vorn, um nach unten in Richtung Fuß des Tomnahurich zu sehen. Er drehte sich wieder zur Bank um, sah dann aber auf eine seltsame Art durch die anderen hindurch.

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Paul hatte mit einem Mal ein seltsames Gefühl im Nacken und schaute langsam nach hinten. Mitten auf dem Weg, etwa zwanzig Meter von ihnen entfernt, standen zwei gedrungene, etwa 1,70 m große Männer, bekleidet mit den üblichen weiten Hosen und Hemden sowie einem breitkrempigen Hut mit flacher Stulpe und sahen ruhig zu ihnen herüber.

Alle waren jetzt aufgestanden und vor die Bank getreten. Eine Minute - oder eine Stunde? - standen sie sich gegenüber wie die Daltons und Lucky Luke. Die beiden Fremden standen entspannt, ganz im Gegensatz zu den Menschen. Paul ging durch den Kopf, dass ihre Naivität eigentlich sträflich war. Sie hatten sich kaum Gedanken darüber gemacht, wie sie sich verhalten sollten. Sie hätten einen Anthropologen fragen sollen, wie sie sich einer fremden Kultur nähern sollten; ein dummer Fehler, und sie würden möglicherweise atomisiert, so wie manche Expeditionen zu den Amazonasindianern in einem Hagel vergifteter Pfeile geendet war.

“Eine dumme Spontiaktion”, meinte er halblaut.

Wiewohl nicht besonders geistreich, löste diese Bemerkung die Spannung in der Gruppe der Menschen.

Kado war, schon aufgrund seiner Stellung als chef de mission, der Wortführer ihrer Gruppe.

“Ihr versteht unsere Sprache”, bemerkte er.

Die beiden nickten.

“Genug für etwas Unterhaltung”, ergänzte der etwas größere der beiden.

“Oder um nach dem Weg zu fragen”, warf Paul ein.

Sie reagierten nicht auf diese Bemerkung. Nun, die Anspielung auf die Begegnung bei den Inseln im River Ness sollten sie doch eigentlich verstanden haben. Subtiler Humor war offenbar nicht ihr ausgeprägtester Charakterzug.

“Wollen wir uns nicht setzen?” schlug Kado vor und wies hinter sich.

Die Desis kamen ohne Hast und ohne Nervosität und gingen an ihnen vorbei. Sie setzten sich auf ein Mäuerchen, das ein großes Grab begrenzte und schlugen die Beine übereinander.

Die Menschen ließen sich wieder auf der Bank nieder.

Der größere der beiden Fremden ergriff das Wort.

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“Ich heiße Oggrd, mein Freund hier heißt Brzz. Wir freuen uns, dass ihr gekommen seid. Wir freuen uns, das möchte ich betonen, dass nur ihr vier gekommen seid.”

Offenbar schauten sie jetzt besorgt zu den beiden Fremden, denn Brzz ergänzte: “Bei uns wäre es üblich gewesen, eine Delegation zu schicken, um die große Begegnung zu begehen.”

“Das wäre hier auch passiert, aber wir haben unserer Regierung noch nichts davon gesagt, dass wir euch treffen würden. Sonst wäre hier sehr viel mehr los.”

Kado fragte dann, woher sie kämen, wie lange sie unterwegs waren, wie sie hier auf die Erde gekommen waren, ohne dass man sie bemerkt hatte. Paul betrachtete unterdessen die beiden Besucher aus dem Weltall. Sie sahen aus wie Menschen, etwa von der Größe eines durchschnittlichen Chinesen oder Japaners, ihre Haut wirkte etwas trocken und schuppig, fast eidechsenhaft.

Sie erzählten, dass sie von einem fremden Sternsystem kamen, deren Lage sie allerdings nicht angeben konnten oder wollten. Auf die Erdoberfläche waren sie während eines heftigen Gewitters gelangt, ohne dass sie von irdischen Radargeräten erfasst wurden; ihr Landungs­fahrzeug war irgendwo im Loch Ness versteckt.

“Wir haben schon ein anderes Planetensystem besucht und sind jetzt etwa ein Jahr von unserer Heimat weg”, schloss Oggrd seine kurze Erzählung.

Paul runzelte die Stirn. Seine Erinnerung an des berühmten Einsteins Relativitätstheorie machte ihm zu schaffen.

Geschwindigkeiten oberhalb der Lichtgeschwindigkeit sind nicht möglich; wie aber waren diese unscheinbaren Herren so flink durch Weltall gereist? Der Verdacht, Scherzbolden in einer oskarverdächtige Maske gegenüberzusitzen kam wieder in ihm hoch. Oder hatten die guten Leute einen Weg gefunden, dieses Naturgesetz auszuhebeln, hatten Sie neue Gesetze gefunden, sich beliebig im Raum-Zeit-Kontinuum zu bewegen?

“Wir sind bisher davon ausgegangen, dass Reisen oberhalb der Lichtgeschwindigkeit nicht möglich sind. Wie habt ihr diese Schranke überwunden?”

Brzz antwortete etwas ausweichend.

“Wir sind wie Leute, die eine Uhr lesen, aber nicht wissen, wie sie genau funktioniert. Wir sind, in eurer Sicht, militärisches Personal, jedenfalls so etwas ähnliches. Wir fahren mit unserer Raumfähre, wissen aber nicht, wie sie funktioniert. Eins ist aber sicher, dass es funktioniert. Es gibt in der Nähe von größeren Materieansammlungen Punkte, von denen aus man ohne diese Einschränkungen reisen kann. Unser großer Denker Hntn hat vor über einhundert Jahren einen Weg gefunden, wie man aus diesem Gefängnis ausbrechen kann. Seit hundert Jahren sind wir jetzt unterwegs.”

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Blumige Worte, dachte Paul bei sich.

Brzz erzählte weiter, dass der zeitaufwendigste Teil der interstellaren Reisen der Weg zwischen Planet und Sprungpunkt war. Es war wohl auch schwierig, die Einrichtung, mit der dieser Sprung ausgeführt wurde, Brzz nannte ihn Pulsator, so genau einzustellen, dass der Sprung auch dahin ging, wo er hingehen sollte. Sie waren bei einer Reise dreimal bei dem Versuch gescheitert, ihr Heimat­system zu erreichen und immer in den falschen Planetensystemen gelandet. Bei dieser Schilderung sah Paul die beiden Desis zum ersten Mal lachen. Eigenartiger Humor, nun ja.

Paul fragte weiter nach.

“Wir haben hier auf der Erde ein Phänomen nachgewiesen, das nennen wir relativistische Zeitverschiebung. In einem bewegten System laufen die Uhren langsamer als in einem stehenden System. Nach unseren Rechnungen müsste jemand nach einer solchen Reise wie Eurer auf einen Heimatplaneten zurückkommen, der hundert oder tausend Jahre älter ist als bei der Abreise.”

“Das war auch die größte Sorge unserer Springerpioniere. Erstaunlicherweise kamen sie aber in derselben Zeit wieder an, in der sie auch abgereist waren, abgesehen von der Zeit, die sie für die Reise zum und vom Sprungpunkt brauchten und der, die sie in dem fremden Sternsystem verbrachten. Unsere Wissenschaftler haben keine Begrün­dung für diese Erscheinung gefunden, aber es ist so. Wir können nicht in der Zeit reisen. An einem bestimmten Ort können wir nur zu einer bestimmten Zeit sein. Trotzdem sind wir jetzt in einer anderen Absolutzeit als in unserem Heimatsystem.”

Kado ergriff wieder das Wort.

“Seid ihr eigentlich gekommen, um uns zu beobachten, mit uns zusammenzuarbeiten oder wollt ihr uns erobern?”

Oggrd lachte wieder.

“Ich weiß nicht, wie ihr es machen würdet, wenn ihr ein fremdes Sternsystem erobern wolltet. Würdet ihr hinfliegen und es den anderen verraten? Nein, unsere Mittel wären viel zu bescheiden. Wir haben viel über Euch gelernt, als wir auf euren Trabanten zuflogen und vor allem, seit wir dort sind. Ihr habt genug Waffen, um eure Erde selbst zu zerstören, erst recht, um unsere Fähre zu sprengen. Wir wollen eure Mitarbeit.”

Die vier Menschen sahen sich erstaunt an. Diese raumfahrenden Wesen mit einer sicherlich überlegenen Technik wollte ihre Mitarbeit! Wozu?

Oggrd fuhr fort.

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“Ihr fragt euch, wie ihr uns helfen könnt. Nun, unser Heimatplanet Knn ist etwa so groß wie eure Erde, aber die bewohnbaren Flächen sind viel kleiner, der größte Teil der Oberfläche ist Wüste, alles ist viel trockener als hier. Auf Knn leben etwa 150 Millionen Einwohner, und damit sind wir ebenso wie ihr noch über der Grenze dessen, was unsere Welt erträgt. Die Bevölkerung nimmt aber langsam ab, sie soll noch um etwa 20 Millionen schrumpfen. Ihr könnt euch aber sicher vorstellen, dass wir nicht genug Mittel haben, mehr als die drei Fähren zu unterhalten, die wir besitzen. Wir waren jetzt in einem System, in dem ein Planet ist, der wie die Erde und Knn bewohnt ist. Es ist dort aber ein Klima, das wir nicht so vertragen, ausserdem haben wir nicht die nötige Ausrüstung. Sumpf, Gebirge, fast überall ist es zu kalt; für uns sind die Verhältnisse dort sehr schlecht und unsere Landefähren sind dafür nicht ausgerüstet. Wir benötigen von euch Ausrüstung und Leute, die mit uns fahren.”

“Wie seid ihr so schnell auf unser System als Zielpunkt gekommen?”, fragte Kado, offensichtlich etwas misstrauisch.

Brzz erzählte, dass die Verhältnisse in dem gefundenen Planetensystem ähnlich war wie bei der Sonne, wenn man den Spektralanalysen des Sonnensystems glauben durfte. Schliesslich hatte sich diese Annahme als richtig herausgestellt.

In Kado kam jetzt wieder der Militär durch.

“Wieviel Materiel, welches, wieviele Leute, welche Qualifikationen werden benötigt? Und: wieviel Zeit haben wir dafür, uns vorzubereiten? Es dauert ja nicht mehr lange, bis eure große Raumfähre sich wieder aus dem Sonnensystem entfernen wird.”

Er sah zu Andra hinüber, aber die nickte nur kurz.

Man unterhielt sich über Einzelheiten. Es würde wohl noch fünf bis sechs Wochen dauern, bis Material und Leute bereitstehen müssten, genug Zeit, wie Kado und Andra meinten. Daten über den zu erforschenden Planeten müssten gesichtet werden, auf deren Basis man die Geräte und die Mannschaft zusammenstellen würde. In fünf Wochen war das zu schaffen, wenn man sofort mit der Organisation anfing.

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Kado nahm seinen Portablen aus der Tasche und wählte über das Netz eine Nummer. Es dauerte einige Sekunden, dann meldete sich das Weisse Haus.

“Den Präsidenten bitte, sagen sie ihm das Kennwort Pink Tomatoes.”

Nach erstaunlich kurzer Zeit - Andra hatte gerade genug Zeit, den Desis ihren Portablen mit einer kurzen Erklärung zu geben - erschien Präsident Raoul Scribantes auf den kleinen Bildschirmen.

“Was gibt es, von Schneider, sie holen mich aus einer Besprechung.”

“Sind sie allein, Mr. President?”

Man sah, wie er jemandem winkte, offenbar, um ihn oder sie aus dem Zimmer zu bitten.

“Ja, jetzt ja. So, und nun machen sie es nicht so spannend.”

“Wir haben Kontakt, Mr. President.”

“Wie, Kontakt, wo?”

“Sie können mit ihnen sprechen, wir sind hier in Inverness.”

Sie schalteten jetzt Andras Kommunikator auf die Leitung. Der Präsident hatte nun die beiden Besucher auf seinem Bildschirm und man konnte trotz des relativ kleinen Bildes sehen, dass er guckte wie ein Kind, dem man seine Rassel weggenommen hatte.

“Herr Präsident, wir sind Oggrd und Brzz und wir überbringen ihnen Grüße aus unserer Welt Knn.”

Ab 22jul10: 338 Bes.